Der Brandner Kaspar und das ewig´ Leben

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Premierenbericht und Nachspieltermine

Irdische Not und Bayerisches Paradies
„Sausicios albos", zu deutsch die Weißwürste, die das 12-Uhr-Läuten noch nicht gehört haben, gehören zu den Freuden, welche die Seligen im bayerischen Himmel genießen dürfen. Zumindest haben sich dies die Autoren Kurt Wilhelm und Franz von Kobell im „Brandner Kaspar und das ewig' Leben" so vorgestellt. Ein irdischer Genuss dagegen war für das begeisterte Publikum die Premierenvorstellung dieses Stückes bei der Heimatbühne Palling im Michlwirt-Saal, das die Zuschauer mit einer Mischung aus Dramatik und herzhaftem Spaß in vielschichtige Gefühlsebenen entführte. Es passte einfach: die liebevoll eingerichteten und von Traudi Huber künstlerisch gestalteten Bühnenbilder, die zeitgenössischen Kostüme, mit eindrucksvoller Maske und aufwändigen Frisuren, sowie eine engagierte schauspielerische Leistung aller Akteure. Mit dieser Inszenierung hat die Heimatbühne zu ihrem 50-jährigen Jubiläum wieder eine echte Herausforderung mit Bravour bestanden. Der äußerst große Andrang auf die Karten hat die Vereinsführung veranlasst, bereits jetzt zwei Nachspieltermine festzulegen: zusätzlich zu den bereits feststehenden Terminen wird am Mittwoch, den 19. November, sowie am Donnerstag, den 27. November nachgespielt.
Zum Stück selbst: Schwer drücken den armen Häusler Kaspar Brandner (Christian Berreiter), die Schulden, die er bei dem raffgierigen Bürgermeister Senftl (Herbert Brandl jun.) hat. Darum beteiligt er sich zusammen mit seiner Enkelin Marei (Julia Huber) und deren Freund Flori (Wolfgang Helmberger) an einer herzoglichen Treibjagd, um ein paar Heller zu verdienen. Dabei entgeht er um Haaresbreite einem tödlichen Jagdunfall und braucht eine hochprozentige Notversorgung durch den fürstlichen Jäger Simmerl (Andreas Perschl). In derselben Nacht kommt dann unheimlicher Besuch in die karge Hütte des Brandner, weil der Tod ihn „wie aufgesetzet" aus dem Erdenleben abholen soll. Der hohläugige Boanlkramer (Gerhard Huber) zeigt dabei ganz unerwartet menschliche Züge und der listige Kaspar luchst ihm weitere 18 Lebensjahre ab. Die ergaunerte Zeit nutzt er erfolgreich zur Verbesserung der finanziellen Situation und kann deshalb drei Jahre später eine fröhliche Gesellschaft (Ingrid Huber, Thomas Perschl, Josef Jahner, Barbara Gastager, Isabella Huber,Konrad Huber, Thomas Schillinger, Verena Thaler) zur Geburtstagsfeier einladen. Auch der Dorfpfarrer (Georg Mörtl), die junge Vroni (Kathi Tasser), deren Mutter Anna (Heidi Jung) und die Tante Therese (Agnes Gerl) sind da.
Die Musik spielt und der Kaspar tanzt wie ein Junger. Doch dann ziehen dunkle Wolken auf, der Donner übertönt die Spottgesänge und von irgendwoher vermeint man das Totenglöcklein zu hören, und spürt, dass nicht nur Naturgewalten die Idylle bedrohen.

Derweil sitzt im Himmel die gemütliche Kartler-Runde mit Johannes Turmair (Konrad Huber), dem fast heiligen Nantwein (Josef Jahner) und dem gestrengen Erzengel Michael (Heinz Huber). Sie können zusammen mit dem Heiligen Petrus (Alfred Schroll) einen lieben Neuzugang begrüßen, wobei der leutselige Portner aber einiges von seiner Güte verliert, als er da Unregelmäßigkeiten und sogar einen paradiesischen Fehlbestand feststellen muß, welchen der unglückliche Boanlkramer unverzüglich auszugleichen hat. Für zusätzliche Unruhe sorgt der preußische Himmelskollege Hans-Joachim Zieten (Thomas Schillinger), weil er sich bei Bayern etwas für den verbesserungswürdigen Himmel seiner Landsleute abschauen will.

Drunten auf der Erde haben traurige Ereignisse dem Brandner inzwischen die Lebensfreude genommen, sodass er zu einem unverbindlichen Besuch des Jenseits – quasi mit Retourebilett – überredet werden kann. Nach einer spektakulären, nebelumwallten Fahrt kann der Kaspar ein bisschen hineinschauen, ins Paradies. Was er da sieht - die versammelte Schar der Seligen (Doppelrollen), die Englein und viele altbekannte liebe Menschen - bewegt ihn zum Bleiben. Sogar das eigentlich verdiente Fegefeuer bleibt ihm durch göttliche Milde erspart und lässt auch unsereinem die Hoffnung, dereinst ähnlich nachsichtige Richter zu haben.

Großer Beifall dankte allen Mitwirkenden, welche durch die erstmals als Spielleiterin tätige Heidi Jung zu einer geschlossenen Leistung motiviert wurden, wobei Christian Berreiter und Gerhard Huber in den Hauptrollen besonders brillierten. Zum 1.Mal auf der Bühne waren Georg Mörtl und Verena Thaler, sowie die kleinen Engerl Miriam Jung, Christina Huber, Pia Gröbner, Marie Schroll und Katharina Brandl. Träger des Erfolges war aber auch das Team hinter der Bühne: Beleuchtung und Technik (Rudi Guggenberger, Gerold Jung, Rudi Pannier und Josef Gröbner), Maske und Frisuren (Traudi Huber, Fini Oberlechner, Christa Märkl und Ingrid Huber), sowie Souffleuse Sylvia Vogel.

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